„Was bringt dich dazu, noch mal wieder mit dem Zelt auf Rudertour zu gehen und das in deinem Alter?“
Diese Frage habe ich mehrmals gehört. Ja, was – die Neugier auf Neuwasser, dieses Gefühl allein im Zelt auch bei Sturm und Gewitter, die Gemeinschaft mit den Paddlern und Ruderern auf der Tour International Danube (TID) – die unvergleichliche Mischung macht es, glaube ich. In der Ausschreibung der Tour waren die Mosoni-Donau, Donau (TID), Waag und Rakeve-Donau aufgeführt, außer der Donau alles unbekannte Gewässer.
Also starte ich nach zwei Jahren Abstinenz mit Rainer E. doch noch mal Richtung Ungarn. Ohne Probleme fahren wir den Boottransport nach Regensburg, picken Wolfgang K. auf und weiter geht es nach Dürnstein zum Übernachten im Ruderverein. Samstag Abend ist Party angesagt und da es etwas lauter und länger zu werden verspricht, werden wir großzügigerweise zum Essen eingeladen. Forelle und Steak stehen auf der Speisekarte und so lassen wir es uns in der Wachau gut gehen. Ein kurzes, starkes Gewitter zwingt zum Verlassen der Terrasse, aber unserer guten Laune tut das keinen Abbruch. Das Essen und der Grüne Veltliner

tragen dazu bei.
Unser Schlafraum hat ja eine Tür und so sind wir am nächsten Morgen ausgeschlafen und nach dem Frühstück zur Weiterfahrt nach Mosonmagyarovar fit. Nach ca. 170 km Fahrt und kurzer Suche haben wir den dortigen Ruderverein (www.mvse.gportal.hu) am rechten Ufer der Mosoni-Donau gefunden.

Bente aus Dänemark ist schon da. Es ist heiß und da wir heute nicht mehr fahren müssen, genehmigen wir uns ein Bier, der halbe Liter für ca. einen Euro. Wir bauen unsere Zelte auf, kleben die Risse am Klinkerboot und so nach und nach trudelt der Rest der Mannschaft Diana, Renate, Bärbel, Ulrike und Felix ein. Während der Wartezeit lernen wir ein neues Wassersportgerät kennen.
Durch Wippen mit den Füßen kann man wie mit einem Fahrradlenker über das Wasser gleiten. Offensichtlich ist diese Sportart sehr kräftezehrend, denn mehr als hier gezeigt hat es keiner geschafft.
Die erste Zeltnacht liegt hinter uns und während Rainer Brötchen holt, kocht Renate ihren berühmten, starken Kaffee. Uns fehlt es an nichts, das Wetter ist schön und uns schmeckt es.

Die Mosoni-Donau fließt, besser gesagt windet sich, parallel zur Donau durch die Landschaft ca. im Bereich zwischen Bratislava und Györ.

Auf der ersten Ausfahrt stromauf genießen wir die Schönheit eines natürlichen Flusslaufes ohne Schiffsverkehr und ohne Wellen.



An einem kleinen Strandbad mit Imbissbude machen wir Mittag,

dann geht es vorbei am Ruderverein bis zur Leitha einen Nebenfluss der als Neuwasser ebenfalls berudert wird. Ein Regenguss verdirbt uns das Vergnügen und wir kehren um. Beim Abendessen, das Wetter ist wieder schön, im ca. 2,5 km entfernten Mosonmagyarovar lernen wir die gute ungarische Küche zu angenehmen Preisen kennen[ ½ lit. Bier ~ 1,00 €].
Ab heute geht’s flussabwärts. Wortreich wurde vom VL ein „Miniwehr“ angekündigt. Dieses Wehr entpuppt sich als eine Betonplatte quer zur Fahrtrichtung mit einer „handbedienbarer Krananlage“ für Kanus. Wir sind bestens auf dieses Hindernis vorbereitet und auf zwei Fendern rollen wir unsere Boote über die Barriere


und setzen unsere Fahrt fort.

Es ist heiß und die Sonne strahlt. In den Pausen sucht man Schatten

oder man schläft, wie der VL, ein bisschen.

Am Nachmittag erreichen wir den Campingplatz Mecsér

der uns alles bietet was man so braucht, angefangen vom Häuschen mit Damen und Herrentoilette und Handwaschbecken, über eine Naturdusche

mit warmen Wasser (solange der Vorrat reicht), Stromanschluss und einer Imbissbude für Speisen und Getränke. Bei Gulaschsuppe, Wüstchen, Bier und Wein klingt der Abend gemütlich aus.

Weiter geht es auf der schönen Mosoni-Donau bis nach Györ vorbei an Wildenten-schwärmen

und begleitet von blauen Libellen.

Rainer hat heute Landdienst und bringt den Hänger nach Dunaujvaros dem Ziel unserer Fahrt, d.h. ab morgen Landdienst ohne Hänger. Am Nachmittag erreichen wir den Ruderverein in Gyö,

der direkt gegenüber der Raabmündung liegt.

Nach Zeltaufbau und Duschen überqueren wir den Fluss und löschen unseren ersten Durst am Marktplatz der netten Kleinstadt.

Nach dem Abendessen geht es zurück über die Brücke Richtung Zelt und die oberhalb liegende Brücke lädt mit ihrem wechselnden Farbenspiel zu fotografieren ein.

Der nächste Tag beginnt mit einer unangenehmen Überraschung. Sämtliche Türen des Rudervereins sind verschlossen, als ob man von uns keine Kenntnis gehabt hätte. Gegen 07:00 h ist dieses Problem gelöst und so können wir wie geplant um 09:00 h auf das Wasser. Klar, dass wir zunächst erst einmal die Raab hinauf rudern, aber es ist schon jetzt unangenehm schwül und die Luft steht. Es wird Zeit, dass wir auf die Donau kommen, dort erhoffen wir uns etwas Wind und Strömung.
Ca. 4 km unterhalb der Mündung werden wir am rechten Ufer vom Landdienst erwartet und machen Mittagspause in einer Gaststätte zu der wir ca. 6 - 8 m hinauf laufen müssen. Wir sind ganz beeindruckt von der dortigen Hochwassermarke aus dem Jahr 2002 weil es unsere Vorstellungskraft übersteigt, dass hier oben das Wasser noch ca. 2 m über dem Niveau gestanden haben soll.

Heute noch einmal Neuwasser, denn in Komarno (SK) angekommen, heißt es noch Mal kräftig gegen die Strömung der Waag aufwärts bis zum Sportzentrum rudern. Auf dem Nachhauseweg erleben wir heftiges Wetteleuchten, kommen aber trocken zum Zelt. Gegen 02:00 h morgens zieht ein Gewitter über uns hinweg, halb so schlimm. In Komarno wird am nächsten Tag die TID eintreffen.

Wir nutzen diesen Tag und rudern waagaufwärts bis zur Mündung der Mali- Donau. An heute sind wir dabei, bei der TID, d. h. es gibt Abendessen (Gulaschsuppe) und Bier. Es ist Ruhetag in Komarno. Einige besichtigen die Festungen auf der ungarischen Seite der Donau in Komarom der Rest bleibt auf der slowakischen Seite und besichtigt die Kleinstadt an der Mündung der Waag.

Übrigens hier kann man mit Euro zahlen. Rund 50 Kilometer sind es bis nach Sturovo auf der breiten Donau.

Mittags landen wir an einem Kiesstrand

finden wir kurz hinter dem Deich ein gemütliches Gartenrestaurant mit reichhaltiger Speisekarte.

Auf dem Sportplatzgelände einer stillgelegten Zellstofffabrik verbringen wir die Nacht. Zum Abendessen gab es ein halbes Hähnchen und ein Bier und bei einem Becher Wein bzw. einer B üchse Bier klingt der Abend aus.
Es ist nur eine Halbtagestour (23 km) von Sturovo bis nach Visegrad vorbei an der prächtigen Kuppel der Kirche von Estergom.

Hier erwartet uns ein „Naturcampingplatz“ ohne Strom mit DIXI – Toiletten und weit entfernten Duschen. Offensichtlich war einmal geplant an dieser Stelle eine Schleuse zu bauen, denn es wurde schon einmal mit ausbaggern begonnen und es entstanden zwei große Seen. Vor dem Abendessen hält der Bürgermeister eine Begrüßungsrede

und alle lauschen gespannt

wer wohl heute das Essen spendiert hat.
Nach einer ruhigen Nacht verlassen wir Visegrad und rudern unterhalb der Burg

in den Szentendre Arm der Donau, der frei von Berufsschifffahrt ist. Mittagspause machen wir in Szentendre einem belebten und beliebten Ausflugsziel der Budapester. 
Jetzt ist es nicht mehr weit bis nach Budapest

und am Anleger angekommen entscheiden wir uns, da der Höhenunterschied (über 40 Stufen) zu groß und der Steg ungeeignet sind, die Boote für die nächsten 2 Nächte auf dem Floß festzuzurren.

Bis zum TID -Zeltplatz sind Skulls, Zubehör und Gepäck ca. 500 m zu tragen und auch zu den Örtlichkeiten muss man sich rechtzeitig auf den Weg machen.

Das gemeinsame Abendessen findet in einem überdachten Pavillon statt. Als dann ein Gewitter niedergeht, müssen wir feststellen, das Dach hätte man auch weglassen können. Das Gewitter geht in einen ausgiebigen Landregen über, der uns auch noch am nächsten Morgen beim Frühstück und auf der Schiffstour zur Innenstadt begleitet. Wohl dem, der einen Schirm hat. Folgerichtig wird von fast allen das Sonderangebot einer Drogeriekette für Schirme angenommen. Kurz darauf hat der Wettergott Erbarmen und ein schöner Tag beginnt. In der Markhalle wählen wir aus den Spezialitäten

das Passende aus und lassen es uns schmecken.

Da es heute kein Abendessen im Rahmen der TID gibt, treffen wir uns in einem Restaurant und werden beim Essen musikalisch unterhalten. Dummerweise sind die Mandeln ausgegangen und Ulrike muss Ihre Forelle ohne verzehren aber den vollen Preis zahlen.
Durch die Innenstadt von Budapest rudern wir mit vielen Fotopausen am Parlament vorbei bis zur Einfahrt in die Rackeve – Donau. Nach vielen Eigenversuchen das „ganze“ Parlament ohne Wasser zu fotografieren ist Diana glücklich, dass dies dem Steuermann letztendlich gelingt.

Um Punkt 11:00 h sollen wir an der Schleuse sein. Rainer als Landdienst hat sich mal wieder bewährt, denn wir werden sofort nach dem Eintreffen ca. eine Std. vorher geschleust.

Vor uns liegen 58 km stehendes Wasser und leichter Nieselregen begleitet uns am Vormittag. Gegen Mittag, der Regen ist stärker und es ist kälter geworden, am Kilometer 38 ein Floß und der Olympiastützpunkt der ungarischen Ruderer und Kanuten. Hier können wir uns aufwärmen und erhalten ein reichhaltiges Mittagessen mit Suppe, Schnitzel und Melone. Es hat sich eingeregnet und noch müssen 18 Kilometer bewältigt werden. Fast ohne Pause wird gerudert, nur endlich aus dem Boot. Wie gut, dass heute eine Hotelübernachtung im Schlosshotel auf dem Programm steht, der VL muss das schlechte Wetter geahnt haben. Ohne Regen hat er seinen Landdienst ausgekostet und als wir ankommen, liegt er mal wieder in Morpheus Armen und schläft. Der 4 er kann im Wasser liegen bleiben, der 2 er kommt auf das Floß und dann nichts wie unter die warme Dusche. Im Gewölbekeller des Schlosses genießen wir das Abendessen und den örtlichen Wein

und als wir zu Bett gehen wollen hat der Regen aufgehört.

Der letzte Rudertag ist angebrochen. Der Regen hat sich verzogen. Wir nehmen Abschied vom Schlosshotel

und rudern vorbei an Rackeve,

nur durch eine biologische Pause unterbrochen, durch bis zur Ausgangschleuse der Rackeve – Donau. Auch hier soll um 11:00 h geschleust werden und tatsächlich geht es pünktlich los. Die Schleuse ist gleichzeitig Wehr, d. h. bei geschlossenem Obertor läuft das Wasser einfach über.

Nachdem wir wieder auf der Donau angekommen sind lassen wir uns bis kurz vor Dunaujvaros treiben. Vor dem Abendessen werden die Boote gründlichst geputzt.
Wir genießen die Abendstimmung die über dem Zeltplatz

und über der Donau liegt.

Die TID 2011 ist für uns zu Ende und nur noch eine schöne Erinnerung.

Nächstes Jahr soll die Save bis Bukarest gerudert werden ehe man auf die TID 2012 trifft. Eine Mitfahrt bis zum Eisernen Tor dem schönsten Donauabschnitt, bietet sich an. Da im Rahmen dieser Tour auch Bootstransporte möglich sein werden, wäre das evtl. eine Möglichkeit für unsere Jugendlichen.